Berlin, 30. Juli 2010 Die Piratenpartei Berlin verurteilt das Verhalten des Berliner Polizeipräsidenten massiv. Dieter Glietsch kündigte an, das aktuelle Urteil des Verwaltungsgerichts zu ignorieren, welches das Filmen von friedlichen Demonstranten verbietet. Das Verwaltungsgericht begründete seine Entscheidung damit, dass es einen scharfen Einschnitt in die Versammlungsfreiheit und die informationelle Selbstbestimmung des Einzelnen darstellt. Glietsch kündigte an, er wolle den Beamten das Filmen weiter gestatten und gegen das Urteil Berufung einlegen. Im Notfall werde er das Abgeordnetenhaus zur Erstellung eines neuen Versammlungsgesetzes auffordern. Selbst das Bundesverfassungsgericht urteilte, dass das Filmen von Demonstrationsteilnehmern nur dann erlaubt ist, “wenn tatsächliche Anhaltspunkte die Annahme rechtfertigen, dass von ihnen erhebliche Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung ausgehen”(§§ 12a, 19a VersG).
Heute beginnt die nächste Phase unserer Kampagne gegen das geheime internationale Handelsabkommen ACTA. Die Piratenpartei hat nunmehr einen offenen Brief an die EU-Kommission und die Bundesregierung veröffentlicht, den ich meinen Lesern unbdeingt im Wortlaut ans Herz legen möchte. Viel Spaß beim Lesen!
Offener Brief
an die EU-Kommission und
an die Regierung der Bundesrepublik Deutschland
Sehr geehrte Damen und Herren,
Seit mehr als zwei Jahren verhandeln Staaten und Staatenbünde unter
Ausschluss der Öffentlichkeit über das Handelsabkommen ACTA, das
Anti-Counterfeiting Trade Agreement. Nur gelegentlich sickern
inoffiziell Zwischenergebnisse oder vermeintliche Zwischenergebnisse
durch. Erst jüngst hat das Europäische Parlament diese Vorgehensweise
kritisiert und gefordert, die Parlamente über den jeweiligen
Verhandlungsstand zu informieren. Zu den ACTA-Verhandlungen stellen wir
Ihnen im folgenden einige Fragen und bitten Sie um Antworten.
Was sind die Gründe für die Geheimhaltung der ACTA-Verhandlungen?
Geheimhaltung ist dann sinnvoll, wenn man eine Strategie plant und seine
Gegner darüber im Unklaren lassen will. Die Geheimverhandlungen sind
also Ausdruck eines grundsätzlichen Misstrauens gegenüber der
Öffentlichkeit, in deren Interesse Sie handeln sollen.
Gleichzeitig begegnen Sie jeglicher Kritik seitens der Bürgerbewegungen
mit Unverständnis. Sie zeigen sich verwundert über die Bedenken, die
durch die intransparente Verhandlungsführung und das Durchsickern
ungesicherter Informationen erst geschürt werden.
Warum fordern Sie mehr Vertrauen in den guten Willen der
Verhandlungsdelegationen, wenn Sie selbst nicht bereit sind, den Bürgern
ebenfalls Vertrauen entgegenzubringen und den Verhandlungsstand
offenzulegen?
Warum weigern Sie sich, den aktuellen Verhandlungsentwurf zu
veröffentlichen? Damit könnten Sie doch leicht unsere Befürchtungen
entkräften, ACTA verletze Bürgerrechte.
Wir fordern:
* Der aktuelle Verhandlungsstand muss veröffentlicht werden.
* Alle betroffenen Gruppen – Politik, Zivilgesellschaft und Industrie –
müssen in die Verhandlungen einbezogen werden.
* Es muss einen Dialog zwischen den ACTA-Delegationen und der
europäischen Öffentlichkeit geben. Dieser Dialog muss offen, ehrlich und
verständlich sein.
Wir appellieren an Sie: Nehmen Sie die Verantwortung wahr, die Sie
gegenüber den Bürgern Deutschlands und Europas haben!
Wir hoffen auf baldige Antwort und verbleiben
mit freundlichen Grüßen
Piratenpartei Deutschland
Berlin, 16.Juli 2010
In einer am Donnerstag veröffentlichten Pressemitteilung, die mittlerweile “zurückgezogen” wurde, fordert Conrad Clemens, Vorsitzender der Jungen Union Berlin, einen wirksamen Schutz für Jugendliche vor pornographischen Inhalten im Internet. Im gleichen Atemzug erneuert Clemens die Forderung nach der Sperrung kinderpornographischer Inhalte.
Die Piratenpartei Berlin setzt sich dafür ein, Kinder und Jugendliche intensiv bei einem altergemäßen Umgang mit dem Internet und seinen Angeboten zu unterstützen und zu beraten. Technische Lösungen für soziale Probleme lehnt sie jedoch ab. Internetsperren sind für sie ganz klar kein geeignetes Mittel. Auch die von Clemens getätigte plumpe Verbindung legaler pornographischer Inhalte mit zu Recht unter Strafe stehendem dokumentierten Kindesmissbrauch löst bei den Piraten Befremden aus.
Über Pornographie lässt es sich sicherlich trefflich streiten. Legale Inhalte jedoch mit furchtbaren Bildern, die den Missbrauch von Kindern dokumentieren, in Verbindung zu setzen, nur um die – selbst vom Bundesverband der JU mittlerweile aufgegebene! – Forderung nach Netzsperren wieder ins Gespräch zu bringen, ist politisch untragbar.
Wenn man der Logik von Herrn Clemens folgt, so wäre es eigentlich nur folgerichtig, wenn er beim Auftauchen illegaler Inhalte wie z. B. Kinderpornographie, gleich die Sperrung des gesamten Internets für eine gewisse Zeit fordern würde, um Lerneffekte zu erzielen.
Bereits 2008 stellte die Kommission für Jugendmedienschutz fest, dass das Sperren von Netzinhalten in einem solchen Umfang wie Clemens es fordert, massiv in die Meinungs- und Informationsfreiheit eingreift. Erst vergangene Woche entschied sich der Deutschlandrat der Jungen Union, die Forderung ”Löschen statt Sperren” zu unterstützen. Dies scheint an Clemens vorbeigegangen zu sein.
Auch wenn die Junge Union mittlerweile versucht, sich ein modernes Antlitz im Bereich der Netzpolitik zu verpassen, so zeigen solche absurden Vorstöße doch immer wieder, dass es ihr an einem wirklichen Verständnis für den ‘Lebensraum Internet’ eindeutig mangelt. Besonders tragisch ist allerdings, dass es sich dabei um einen Sprecher der Jungen Union und nicht der CDU handelt, der bei diesem Thema versagt, da er eigentlich das Sprachrohr für eine jüngere Generation sein sollte.
Dass Clemens seine Pressemitteilung nach heftiger Kritik wieder zurückgezogen hat, zeigt deutlich, dass auch die Junge Union ihre Meinung gerne nach dem Wind richtet, der gerade weht und lässt deutlich an Clemens Kompetenz zweifeln.
Links:
http://www.netzpolitik.org/2010/junge-union-berlin-fordert-pornographieverbot/
Das Bündnis Megaspree ist ein Zusammenschluss von Kunst- und Kulturschaffenden, Clubbetreibern, politischen Gruppen und Freiraum-Bewohnern.
Es steht für das vielfältige, bunte Berlin und tritt für Antirassismus und Toleranz sowie für eine lebenswerte Stadt, Platz zum Atmen und Freiräume zum Leben ein. Es verbindet alternative Lebensentwürfe mit geregelten Lebensläufen und bietet Sub- und Clubkultur genauso wie vermeintlichem Mainstream einen Raum.
Darüber hinaus setzt sich dieses Bündnis sowohl für den Wandel als auch für Beständigkeit ein und organisiert sich in losen Verbunden wie in gefestigten Netzwerken. Es schafft Arbeitsplätze und bietet Nischen der Entspannung. Der Krisenverwaltungspolitik und den Beton-Stadtentwicklungsstrategien stellt das Bündnis ein Recht auf eine kulturell vielfältige, freie und soziale Stadt entgegen. In ihrem Berliner Programm fordern die Piraten die Erhaltung bedrohter und die Schaffung neuer Freiräume, in denen Kreativität und Gemeinschaft ohne kommerziellen Druck ausgeübt werden kann. Wir fordern, dass die Menschen ihren Lebensraum künstlerisch frei gestalten können.Berlin, 02.Juli 2010
Die Berliner Piraten begrüßen die von der Berliner SPD angestrebte Änderung des Berliner Wahlgesetzes, das Wahlalter auf 16 Jahre abzusenken.
Dies sehen sie als ersten Schritt in die richtige Richtung, der allerdings noch ausgebaut werden sollte:
Die Berliner Piraten setzen sich für eine Absenkung des Wahlalters auf 14 Jahre ein. Hierauf haben sie sich basisdemokratisch mit der Liquid-Democracy-Software Liquid Feedback geeinigt.
“Wir haben uns intensiv mit der Frage beschäftigt, wie alt ein Mensch eigentlich sein muss, um aktives Wahlrecht zu erhalten”, erläutert Manuela Schauerhammer, stellvertretende Vorsitzende der Piratenpartei Berlin. “Für uns Piraten zählt das Wahlrecht zu den fundamentalen Grundrechten. Es ist kein freundlich gewährtes Privileg. In der Diskussion in Berlin haben sich auch zahlreiche Piraten für ein Wahlrecht ab zwölf Jahren oder sogar von Geburt an eingesetzt – denn warum sollten Kinder eigentlich nicht über diejenigen mitbestimmen, die Gesetze verabschieden, die sie allzu haufig auch selbst betreffen? Demokratische Mitbestimmung bedeutet doch, sich selbst aktiv an Entscheidungen beteiligen und die eigenen Interessen in die politische Waagschale werfen zu können.”
Im Zweifel sollte sich der Staat für, nicht gegen die demokratische Mitbestimmung auch junger Menschen entscheiden. Die Piratenpartei Berlin begrüßt daher den Beschluss zur Absenkung des Wahlalters als einen dringend nötigen ersten Schritt auf dem Weg zu mehr demokratischer Mitbestimmung.
Am vergangenen Wochenende hatte sich die Berliner SPD auf ihrem Landesparteitag für eine Änderung zugunsten der jungen Wählergeneration ausgesprochen. Damit rückt die im Abgeordnetenhaus notwendige verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit für eine Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre näher. Die Piratenpartei Deutschland Berlin befürwortet diese Entwicklung ausdrücklich.
Der Beschluss der Piraten Berlin zur Absenkung des Wahlalters ist inklusive Begründung hier veröffentlicht: https://lqpp.de/be/initiative/show/62.html
Weitere Informationen zu LiquidFeedback finden Sie unter: http://liquidfeedback.org
Berlin, 18.Juni 2010 – Mit eigenem Truck wird die Berliner Piratenpartei am kommenden Samstag am Christopher Street Day teilnehmen. Heteronormativität und -sexismus will die Piratenpartei überwinden – getreu dem diesjährigen CSD-Motto “Normal ist anders”. Nicht nur in Berlin setzen sich viele Mitglieder vehement für die freie Selbstbestimmung und Entfaltung von geschlechtlicher und sexueller Identität und Orientierung ein.
“Die derzeitige Gesetzeslage benachteiligt immer noch Lesben, Schwule, Bi-, Trans-, Intersexuelle und Queers. Das muss sich ändern!”, erklärt Axel Kistner, Vorstandsmitglied der Piratenpartei Berlin. “Wir kämpfen dafür, dass jeder Mensch unabhängig von seiner sexuellen Identität und Orientierung gleichberechtigt und frei leben kann”, ergänzt Manuela Schauerhammer, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands.
Die Berliner Piraten finden: Politik muss der Vielfalt der Lebensstile gerecht werden und eine wirklich freie Entscheidung für die individuell gewünschte Form des Zusammenlebens ermöglichen. Zu ihren Zielen gehört daher die vollständige rechtliche Gleichstellung von Ehe und eingetragener Partnerschaft. Diese sollte zudem für alle Formen der Partnerschaft geöffnet und als flexiblerer Solidarpakt ausgestaltet werden. Gesellschaftsstrukturen, die sich aus Geschlechterrollenbildern ergeben, wollen sie überwinden, da diese dem Individuum niemals gerecht werden können. Daher wollen sich die Berliner Piraten unter anderem auch dafür einsetzen, dass das Merkmal “Geschlecht” durch staatliche Behörden nicht mehr erfasst wird.
Wie schon bei früheren Veranstaltungen haben sich die Piraten auch für den Berliner CSD starke Unterstützung aus der lokalen Musik- und Clubszene an Bord geholt: Auf ihrem Truck, Wagen Nr.27, werden sich Acts wie Team Plastique, Sue Denim von den Robots In Disguise, das Berlin Meschugge Team, Pop’o'Lectric, Hardy Meinhof, Chapeau Click und Carlo von lynX die Lautstärkeregler in die Hand geben. Die Finanzierung des Trucks wurde zu großen Teilen durch Spenden von Mitgliedern der Piratenpartei ermöglicht.
Diese Pressemitteilung und Pressekontakte finden Sie im Internet unter
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